Kolloidales Silber für Pferde

Was ist kolloidales Silberwasser, wie wirkt es, welche möglichen Risiken bestehen bei einer falschen Anwendung und bei welchen Erkrankungen bewährt sich dieses natürliche Antibiotikum seit Jahrhunderten? Diese und viele weitere Fragen werden im folgenden Artikel beantwortet.

Was genau ist kolloidales Silber?

Kolloidales Silber ist, wie könnte es anders sein, Silber. Um genauer zu sein, handelt es sich um kleinste Silberpartikel, sogenanntes Nanosilber. Silberpartikel haben eine Größe zwischen 1 und 100 Nanometer. Jeder Partikel besteht aus bis zu einer Milliarde Silberatomen. Silberpartikel binden sich zwar mit Wasser, lösen sich aber im Wasser nicht auf. Dadurch ergibt sich ihre einzigartige Wirkung.

Ein altes Mittel neu entdeckt

Silber ionisiertes Wasser ist keine neue Erfindung. Bereits in der Antike wurde Silber aufgrund seiner antibakteriellen Wirkung geschätzt, auch wenn man damals noch nichts von Bakterien wusste.

Über die Jahrhunderte wurde Silber immer wieder in der Wundbehandlung eingesetzt. Selbst die heutige Medizin verwendet kolloidales Silber als Desinfektionsmittel in Wundverbänden und Salben. Vor allem im 19. Jahrhundert war Silberwasser ein weitverbreitetes Arzneimittel. Zum damaligen Zeitpunkt, vor der Entdeckung von Antibiotika, war es der einzig bekannte Wirkstoff gegen Infektionen.

Kolloidales Wasser wirkt antibakteriell

Es wirkt nicht nur antibakteriell, sondern auch (in Teilen) antimikrobiell. Unter Mikroben versteht man Mikroorganismen wie Bakterien, Pilze, Viren und Hefe. Die meisten Mikroben sind für Pferde vollkommen harmlos. Viele Bakterien sind sogar überlebenswichtig (siehe weiter unten). Nur etwa 1 % aller Bakterien verursachen Krankheiten – diese Krankheiten können jedoch (bei Nichtbehandlung) lebensbedrohlich sein. Gewöhnlich werden bakterielle Infektionen mittels Antibiotika, Pilzerkrankungen mittels Antimykotika und Viruserkrankungen mittels Virostatika behandelt. Bei allen drei Behandlungsmöglichkeiten gibt es jedoch beachtliche Probleme – die zumindest teilweise von kolloidalem Silber gelöst werden können.

Die Problematik mit Antibiotika

Bakterien sind Einzeller. Sie haben ihr eigenes Zellgut (umständliches Liebeswerben überflüssig) und ihren eigenen Stoffwechsel. Das macht sie extrem anpassungs- und überlebensfähig. Da Lebewesen von der Überlebensfähigkeit von guten Bakterien abhängig sind, ist das eine gute Nachricht. Vor allem im Bereich der Darmflora brauchen Pferde diese wichtigen Bakterien:
 

  • Laktobazillen (gehören zu den Milchsäurebakterien)

  • Alpha- und Gammahämolysierende Streptokokken (werden etwas unschön als „Fäkalstreptokokken“ bezeichnet)

  • Heubazillus

  • Enterobakterien (ist ein Überbegriff für eine Reihe von Bakterien)

  • Anaerobier (ebenfalls ein Überbegriff für eine Reihe von Bakterien)



Neben diesen guten Bakterien gibt es auch den kleinen Rest von Krankheitserregern. Über Eiterherde, Wunden, Operationen oder andere Verletzungen gelangen Bakterien in den Blutkreislauf. Abhängig von der Art des Bakteriums kann sich der Organismus gegen die Infektion nicht mehr wehren. Infektiöse Erkrankungen waren für Jahrhunderte – für Tier und Mensch – die häufigste Todesursache. Das alles änderte sich durch das Antibiotikum.

Ohne falsche Übertreibung kann das Antibiotikum als die wichtigste Entdeckung der Menschheitsgeschichte bezeichnet werden. Alexander Fleming entdeckte vor über 90 Jahren Penicillin. Seither wurde Millionen von Menschen und Tieren das Leben gerettet. Antibiotika töten oder verletzen die Zellwände von Bakterien. Dadurch können sie sich im Körper nicht länger vermehren. Doch Antibiotika haben zwei große Nachteile:

1) Sie treffen keine Unterscheidung zwischen „guten“ und „schlechten“ Bakterien und zerstören somit auch die wichtigen Bakterien.

2) Sie erzeugen bei einer zu häufigen Anwendung multiresistente Erreger.

Das Problem der Multiresistenz gilt auch für Medikamente zur Pilzbehandlung, den sogenannten Antimykotika. Diese können bei einer zu häufigen Anwendung multiresistente Erreger hervorbringen.

Was sind multiresistente Erreger?

Dabei handelt es sich zum Beispiel um Bakterien, wie das gefürchtete Staphylococcus aureus, das bei Operationen oder Verletzungen Wundinfektionen verursacht. Resistente Bakterien haben einen Schutzmechanismus gegenüber Antibiotika aufgebaut. Das macht eine mögliche Behandlung schwierig bis unmöglich. Deshalb warnt die WHO bereits seit Jahren vor einem zu häufigen Gebrauch von Antibiotika. Denn je häufiger ein Antibiotikum verschrieben wird, desto höher ist die Chance, auf multiresistente Erreger. Man könnte hier von „learning by doing“ für Bakterien und Pilze sprechen. Aufgrund dieser Problematik gilt Silberwasser für Pferde als eine wichtige Alternative zu Antibiotika.

Kolloidales Silber gegen Viren?

Die Datenlage zur Wirkung von kolloidalem Silber im Kampf gegen Viren ist sehr dürftig. Das liegt auch an der Komplexität von Viren. Viren sind eine außergewöhnliche Lebensform, da sie einen Wirt benötigen, um überleben zu können. Dieser Wirt kann ein Mikroorganismus sein, also ein Bakterium, oder ein komplexer Organismus wie ein Mensch.

Aufgrund der Komplexität von Viren, ihrem Aufbau und ihrer Vermehrung können nur einzelne, spezifisch angepasste Medikamente, sogenannte Virostatika, gegen Virusinfektionen eingesetzt werden. Ein Virostatikum ist kein Wundermittel wie ein Antibiotikum. Während ein einziges Antibiotikum gegen eine Reihe von Bakterien einsetzbar ist, wirkt ein Virostatikum oft nur gegen ein einziges Virus.

In einigen Versuchen konnte festgestellt werden, dass Silberpartikel sich in vitro (also außerhalb vom lebenden Organismus) an die Oberfläche des Virus binden und so (möglicherweise) eine Bindung an die Wirtszelle verhindern. Jedoch wird von der FDA (Food and Drug Administration in den USA) und anderen medizinischen Aufsichtsorganen davor gewarnt, kolloidales Silber bei Virusinfektionen zu verwenden.

Zum einen konnte keine Wirkung bisher bestätigt werden, und zum anderen würde nur eine In-vivo-Einnahme, also das Schlucken, Inhalieren oder eine Injektion von kolloidalem Silber, gegen eine virale Infektion wirken. Genau diese Anwendungsform führt jedoch zu der weiter unten noch näher beschriebenen Oxidation im Körper. Eine Oxidation kann gesundheitsgefährdende Langzeitfolgen mit sich bringen!

Wie wirkt Silber ionisiertes Wasser?

Kolloidales Silber inaktiviert bzw. hemmt in kleinen Mengen Bakterien und Pilze, es wirkt antibakteriell. Die sogenannte minimale Hemmkonzentration liegt zwischen 8 und 100 ppm. Grampositive Bakterien, also Bakterien, die sich nach einer bestimmten Färbungsmethode blau verfärben, sind gegenüber Silberwasser etwas empfindlicher als gramnegative Bakterien (rote Verfärbung).

Grampositive Bakterien können folgende Krankheiten auslösen:
 

  • Milzbrand

  • Diphtherie

  • Listeriose

  • Pneumokokken-Infektion

  • Streptokokken-Infektion

  • Toxisches Schocksyndrom[1]



Außerhalb der bekannten antibakteriellen und antimykotischen Wirkung kann kolloidales Silber auch bei folgenden Problemen angewandt werden:
 

  • leichte Verbrennungen

  • Ausschläge

  • Insektenstiche

  • White Line Disease (WLD)

Risiken bei kolloidalem Silber

Immer wieder finden sich im Internet Seiten, die eine Einnahme durch Inhalation, Schlucken/Trinken oder durch Injektionen bewerben. Davon sollte Abstand genommen werden, da sich Silberpartikel im Körper ablagern und zu einer Oxidation führen.[2] Silberpartikel lösen sich im Wasser nicht auf. Wenn sie einmal im Körper sind, bleiben sie auch im Körper.

Sichtbare Schäden durch eine zu häufige Einnahme (Inhalation, Schlucken, Injektionen) von kolloidalem Silber sind:
 

  • Verfärbung der Haut (oft bläuliche Verfärbung) oder/und der Augen

  • Hemmung einiger Antibiotika und Schilddrüsenmedikamenten [3]

  • bei Leberproblemen soll kolloidales Silber weder innerlich noch äußerlich angewandt werden

Anwendung für Pferde

Silber ionisiertes Wasser kommt in unterschiedlichen Konzentrierungen. Die Konzentrierung wird in ppm, also in parts per million angegeben. 1 ppm ergibt 1 mg Silber bei 1 Liter Wasser. Die genau Konzentrierung ist schwierig festzustellen. Könnte man die Partikel mit bloßem Auge sehen, wäre dies ein Problem. Deshalb benötigt man ein Ultramikroskop in einem Labor. In der Regel werden Produkte zwischen 10 ppm bis 40 ppm verkauft. 40 ppm gilt bereits als hochdosiert, es gibt jedoch auch Hersteller, die eine Konzentrierung von 100 ppm und noch höher anbieten.

Welche Konzentrierung ist die richtige für Pferde?

Aus der Homöopathie wissen wir bereits: Weniger ist oft mehr. Das Gleiche gilt für kolloidales Silber. Welche Dosis am besten wirkt, kann vorher nicht gesagt werden. Eine übliche Dosis bei Pferden ist 25 ppm. Doch weder das Alter noch die Größe des Pferdes deuten auf eine bestimmte Dosierung hin, da, wie bereits oben beschrieben, unterschiedliche Bakterien unterschiedlich gut auf kolloidales Silber reagieren. Ein Nichtbakteriologe kann unmöglich erkennen, ob es sich um grampositive oder gramnegative Erreger handelt (grampositive Bakterien reagieren besser auf kolloidales Silber als gramnegative). Deshalb sollte mit 25 ppm begonnen werden. Sollte diese Dosierung nicht wirken, kann eine höhere Dosis die erwünschten Erfolge erzielen.

Kolloidales Silber als Wundermittel?

Kolloidales Silber ist sicher kein Wundermittel, aber es ist eine mögliche und wichtige Alternative zu Antibiotika. Denn herkömmliche Antibiotika führen auch bei Pferden zu multiresistenten Erregern. Das bedeutet: Im Ernstfall funktionieren Antibiotika nicht mehr. Es ist deshalb Vorsicht geboten. Bei kleineren Verletzungen, Erkrankungen oder Entzündungen zahlt es sich aus, zuerst diese bewährte Alternative auszuprobieren. Sollte das Silberwasser nicht die gewünschte Wirkung zeigen, kann noch immer auf ein Antibiotikum zurückgegriffen werden.


[1] Müller, H.E: Untersuchungen zur oligodynamischen Wirkung von 17 verschiedenen Metallen auf Bacillus subtilis, Enterobacteriaceae, Legionellaceae, Mocrococcae und Pseudomonas aeruginosa. In: Zentralblatt für Bakteriologie, Mikrobiologie und Hygiene (B). Band 182, Nr. 1, 1985, S. 95–101. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/3939057/

[2] https://www.apotheke-adhoc.de/nachrichten/detail/pharmazie/kolloidales-silber-wundermittel-oder-schwachsinn-alternativmedizin/?tx_aponews_newsdetail%5B%40widget_4%5D%5BcurrentPage%5D=2&tx_aponews_newsdetail%5B%40widget_4%5D%5BitemsPerPage%5D=1&cHash=c1c7fe66e68d1436a08e615ee1f4fc12

[3] Health Information on Colloidal Silver. https://www.nccih.nih.gov/health/colloidal-silver